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Geburtserfahrung von Manuela

Eine Geburt ist wirklich eine Naturgewalt, ein Phänomen. An sich war allein schon die Schwangerschaft ein ständiges Staunen, aber was bei einer Geburt passiert ist wirklich kaum in Worte zufassen. Ich benötigte ein paar Wochen, um alles zu sortieren. Zeitlich, wie auch vom Lauf der Geschehnisse. Hier ist meine Geburtsgeschichte:


Errechneter Geburtstermin war der 03.07.2022, welcher auch nicht falsch errechnet werden konnte, da wir unser Wunschkind mittels natürlicher Familienplanung und dank eines Samenspenders genaustens geplant und umgesetzt haben.


Die Geburt beginnt für mich persönlich am ET + 10. Es war gefühlstechnisch und körperlich kein Problem für mich, über den Termin zu gehen. Solange es mir und der Kleinen gut ging und die Werte es zuließen, dachte ich mir.

Natürlich wird auch im Apoldaer Krankenhaus ab diesem Tag die Einleitung empfohlen, dennoch ohne großen Druck auf die Frau, sodass es mir "leicht" fiel gegen ärztlichen Rat, das Krankenhaus zu verlassen. Ich habe mir mit Kristin und Eileen einen Plan geschmiedet, mit dem meine Frau und ich uns gut und sicher fühlten.


Nämlich:

ET +10 = Ich gönne mir mal ein leckeres Spiegelei in Rizinusöl gebraten. Das Ei war köstlich und vom Öl hat man nichts geschmeckt, leider auch nichts gemerkt. NICHTS!

ET + 11 = Tatsächlich war eine sehr ausgelassene Stimmung in unserer Küche, als Eileen den Wehencocktail wie eine routinierte Barkeeperin mixte und in drei Gläser aufteilte. Ja, ich musste fast an ein Treffen zum Vorglühen denken, nur das ich alleine trank. Komisch wieder Alkohol zu trinken, auch wenn es wirklich nur ein miniminimini-Schluck Sektchen im Drink gab. Der Cocktail war auch nicht abscheulich zu schlürfen und so war das erste Glas im Nu runtergespült. Im Anschluss gingen wir, im guten Schritt, eine Stunde spazieren. Zuhause angekommen, sprach ich erstmal mit der Toilettenschüßel. Ich übergab mich. Danach war Ruhe, nichts tat sich in mir. Eileen teilte ich dies am Telefon mit, musste aber nach 2 Minuten zurück rufen und auf einen Blasensprung hinweisen. Ein zweites Glas des Cocktails nahm ich noch zu mir, bevor ich mich ins Bett legte. Ich hatte ein paar Wehen, die irgendwann auch wieder verschwunden waren und so war das zumindest eine kleine Aufregung. Das dritte Glas lehnte ich ab.


ET + 12 = Nichtsdestotrotz gings ab 15 Uhr ins Krankenhaus, um da stationär aufgenommen zu werden. Hier beginnt die gefühlt endlose Reise der CTG's & die Einleitungen mittels Gels, welche vor die Gebärmutter geschmiert werden. An diesem Tag gab es die erste Ration.

"Durch das Gel können drei Dinge geschehen (deshalb muß man das Primen meist mehrmals wiederholen):

1. Es passiert nichts.

2. Sie bekommen Wehen und es passiert immernoch nichts.

3. Das Kind kommt!"

Punkt 2 trat ein, jedoch hörten die Wehen auch bald wieder auf.

Mein Muttermund: 3 cm geöffnet.


ET+13: CTG's fand ich bis dato ganz toll und bisher dauerten diese ca. eine halbe Stunde. Diese halben Stunden gaben mir stets ein Gefühl der Sicherheit, der Ruhe und waren mein absolutes highlight am Tag. Für mich war das dann der Moment meiner Tochter ganz nah zu sein. Ihr noch verbundener zu sein. Die Gewissheit alles ist tutti.

Ja, sie eine halbe Stunde laut zu hören, ihr schlagendes Herz.


Jetzt fand ich es nicht mehr so entspannend. Gefühlt Trillionen CTG's pro Tag, laaaange liegen, allein sein, müde. Das alles tutti ist, war schön, aber eher Nebensache geworden.


Glücklicherweise machte ich im Vorfeld einen Abstrich auf B-Streptokokken, welcher negativ ausfiel. Deshalb bekam ich erst 48 Stunden nach meinem vorzeitigen Blasensprung alle 12 Stunden Antibiotika-Infusionen, die über die Vene verabreicht wurden. Auch an diesem Tag bekam ich 2x das Gel gelegt. Morgens verspürte ich fast nichts, am Nachmittag hatte ich schon etwas dollere Wehen. Zusätzlich nahm ich Quarz. Halbstündlich eine Messerspitze für gesamt 2 Stunden, 2 Stunden Pause, und nochmal halbstündlich eine Messerspitze für die Zeit von 2 Stunden.


An diesem Morgen kam meine Psyche ins Spiel. Ich fühlte mich allein, traurig, nichts ging voran. Wie lange sollte das noch gehen? Warum passiert nichts?


Auf die Frage: "Hast du dich eigentlich von deiner Schwangerschaft verabschiedet?" traf mich fast der Schlag. Ich benötigte keine 2 Sekunden um die Antwort laut auszusprechen: NEIN! Ich "ertappte" mich dabei, wie ich mich bis zu diesem Zeitpunkt pudelwohl fühlte, -mir-geht-es-richtig -gut-Sätze schmetterte und keinerlei große Beschwerden mit der Schwangerschaft hatte. Was natürlich super ist, aber für eine Geburt sollte zumindest mental mit der Schwangerschaft Schluß gemacht werden. Das schien mein Problem. Ich schrieb meinen Körper einen Schlußmachbrief. Nun fühlte ich mich etwas befreiter und hatte das Gefühl des Loslassens.

Abends waren die Wehen intensiver und regelmäßiger, aber noch keine Wehen, um die Pferde scheu zu machen.

Mein Muttermund: 3 cm geöffnet.


ET+14:

Gemeinsam berieten wir uns, nun die doppelte Menge des Gel's zu verwenden. Das geschah so gegen Mittag. Ab diesem Tag werden meine Erinnerungen etwas schwammig. Soweit ich mich entsinne, ging es auch recht zügig los mit heftigeren Wehen. Am Abend ging ich nochmal gegen 20 Uhr zum CTG. Danach sehnte ich mich nach einer heißen Wanne, welche mir auch durch die liebe Hebamme im Krankenhaus bereitet wurde. Die konnte ich allerdings nicht so ganz genießen. Die Wehen fühlten sich in der Wanne genauso doof an und ich versuchte sändig etwas Kraft zu tanken, zu entspannen und kurze Power Napping einzulegen. Ohne Erfolg.

Nach einem kurzen Plausch mit der Hebamme, meinte diese, wir könnten im Kreißsaal auf Eileen warten. Dort versuchte ich nochmals zu verschnaufen. Wehentätigkeit war da, aber immer noch nicht DIE WEHEN.


Gegen 22 Uhr kam Eileen an. Kurze Untersuchung.

Mein Muttermund: 3cm geöffnet. AWWW!


Natürlich hatte ich auf natürlichem Wege gebären wollen, ganz klar! Absoluter Tiefpunkt: ca. 0:00 Uhr. Ich bettelte um einen Kaiserschnitt. Ich war am Ende. Meine Geduldsfäden nicht mehr greifbar. Statt Stahl waren meine Nerven nur noch Wackelpudding. Kraftlos, klein, schwach, ausgelaugt, unendlich müde und verzweifelt. Kein Glaube daran, die Geburt noch auf natürliche Weise zu schaffen. Das Gewarte auf irgendwas, ja auf irgendein Zeichen, dass es in Richtung Zielgerade, Richtung Geburt geht. Ich hatte keinen Schimmer, wie es weitergehen sollte. Was konnten wir noch tun? Wir haben doch alles Mögliche getan.


Nach intensivem Austausch mit einer Ärztin und Eileen, entschied ich mich für ein Schmerzmittel und gegen einen sofortigen Kaiserschnitt, um etwas zur Ruhe zu kommen. Es stand für mich fest, wenn in dieser Nacht die Kleine nicht auf natürlichem Weg kommt, der Kaiserschnitt am folgenden Morgen durchgeführt werden sollte.

Geschätzt eine Stunde war ich mit Schmerzmittel per Tropf etwas neben der Spur, war ziemlich benommen. Wie sich mein Gestöhne änderte merkte ich natürlich nicht, aber eine Hebamme hört das wohl - so auch Eileen.


Schwammig sehe ich sie vor mir mit einem breiten Lächeln und höre sie mit etwas hoher euphorischen-Stimme sagen: "Manu, dein Muttermund ist 8 cm geöffnet! Jetzt gehts los!"


Ich kämpfte wie eine Löwin. Unglaublich woher ich diese Kraft und Energie nahm.

2 Stunden später plumpste unsere Tochter ins Leben. Sie war da. Geboren auf natürlichem Weg. Ich denke ja, mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht, dass unsere kleine Maus eine Trödeltante wird und so ziemlich kurz vor knapp irgendwo angestolpert kommt. :)


Ich habe es geschafft. Sie hat es geschafft. Der wichtigste Teil von dir ist von einer Sekunde auf die nächste außerhalb deines Körpers.


"Geboren wird nicht nur das Kind durch die Mutter, sondern auch die Mutter durch das Kind." Gertrud von Le Fort


Im Großen und Ganzen würde ich die reine Geburt als „kurz und intensiv“ zusammenfassen. Die Atmosphäre war ruhig und ich fühlte mich wirklich gut aufgehoben. Eileen, Kristin, meine Frau und eine Ärztin haben ganz viel dazu beigetragen. Auch wenn man die Personen um einen etwas ausblendet, so war doch die Sicherheit zu spüren. DANKE an dieser Stelle!


Eine Geburt ist nicht rein körperlich, sondern muss einhergehen mit dem Kopf.

Mein Körper übernahm über 3 Tage lang nicht das Kommando, um selbst Wehen auszulösen. ABER mein Körper hat trotz aller Widrigkeiten Großes geschafft!

Meine wichtigste Erkenntnis ist wohl, dass jede Geburt eine Wundertüte ist. Man den Geburtsverlauf einfach so annehmen sollte, wie er eben ist. Alles zu seiner Zeit. Innerlich dagegen anzukämpfen bringt nur Stress und raubt unglaublich viel Kraft.


Ich wünsche jeder Frau, die möchte und kann, diese unglaubliche Erfahrung zu machen.

Ich wünsche jeder schwangeren Frau Glück und Zauber, das Nutzen ihrer Kraft, den Glauben an sich selbst und eine friedvolle Geburt.

Ich wünsche jeder gebärenden Frau den magischen Moment: der erste Blick zwischen Mutter und Kind.







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